Das Licht im Flur funktioniert, der Kühlschrank läuft, aber im Arbeitszimmer bleiben mehrere Steckdosen ohne Strom. Oder die Deckenleuchte im Wohnzimmer geht nicht mehr an, während der Fernseher noch läuft. Ein solcher Teilausfall wirkt zunächst widersprüchlich. Tatsächlich werden die Anschlüsse einer Wohnung nicht alle über denselben Stromkreis versorgt. Fällt ein Teil aus, können andere Bereiche weiter funktionieren.
Was der Ausfall nicht verrät: wo genau die Ursache sitzt. Ein dunkler Raum beweist weder, dass eine bestimmte Sicherung defekt ist, noch, dass sämtliche Anschlüsse dieses Raums zum selben Stromkreis gehören. Entscheidend ist, welche Funktionen betroffen sind, ob ein Schutzgerät ausgelöst hat und ob es Anzeichen für einen elektrischen Schaden gibt. Die folgenden Abschnitte erklären die Zusammenhänge und zeigen, welche Beobachtungen ohne Eingriff in die Anlage sinnvoll sind.

Warum ist nur ein Teil der Wohnung ohne Strom?
Eine Wohnungsinstallation ist in mehrere Stromkreise unterteilt. Sie versorgen beispielsweise Beleuchtung, allgemeine Steckdosen oder einzelne Geräte. Für jeden Stromkreis ist ein geeigneter Schutz gegen Überlast und Kurzschluss vorgesehen. Wird die Versorgung eines Kreises unterbrochen, müssen die übrigen Stromkreise deshalb nicht ebenfalls ausfallen.
Die Aufteilung richtet sich allerdings nicht einfach nach Zimmertüren. Die Beleuchtung und die Steckdosen in derselben Küche können unterschiedlich angeschlossen sein. Umgekehrt kann ein Stromkreis Anschlüsse in mehreren Räumen versorgen. Ein Zimmer ohne Licht und Strom bedeutet daher nicht automatisch „eine Sicherung pro Zimmer“. Bei älteren oder mehrfach umgebauten Anlagen lässt sich die tatsächliche Zuordnung erst recht nicht zuverlässig aus dem Grundriss ablesen.
Auch die Schutzgeräte sind nicht in jeder Verteilung gleich gruppiert. Ein FI-Schutzschalter kann mehrere Stromkreise gemeinsam schützen. Ein kombinierter FI/LS-Schalter ist dagegen einem bestimmten Stromkreis zugeordnet. Deshalb kann je nach Anlage entweder nur eine kleine Gruppe von Anschlüssen oder ein größerer Bereich gleichzeitig ausfallen. Dass anderswo noch Strom vorhanden ist, erklärt das Prinzip des Teilausfalls – es ist noch keine Diagnose.
Ein Beispiel: Licht geht, Steckdosen nicht
Angenommen, die Leuchte in einem Raum funktioniert weiterhin, aber zwei Steckdosen sind ohne Strom. Licht und Steckdosen könnten über verschiedene Stromkreise laufen. Möglich ist ebenso eine Störung an den betroffenen Anschlüssen oder an einer gemeinsamen Verbindung. Aus der Beobachtung allein lässt sich zwischen diesen Möglichkeiten nicht unterscheiden. Umgekehrt kann ein Ausfall der Beleuchtung mehrere Zimmer betreffen, obwohl dort Steckdosen weiter funktionieren.
Welche Ursachen kommen infrage?
Überlastung eines Stromkreises
Werden an einem Stromkreis gleichzeitig zu viele leistungsstarke Geräte betrieben, kann der Leitungsschutzschalter auslösen. Er unterbricht die Versorgung, um die Leitung vor zu hoher Belastung zu schützen. Dass unmittelbar zuvor mehrere Geräte eingeschaltet wurden, ist eine hilfreiche Information für die spätere Fehlersuche. Es beweist aber noch nicht, dass Überlastung die einzige Ursache war.
Mehrfachsteckdosen schaffen dabei keinen zusätzlichen Stromkreis. Sie verteilen lediglich die vorhandene Anschlussmöglichkeit auf mehrere Geräte. Insbesondere eine Kombination mehrerer leistungsstarker Verbraucher sollte deshalb nicht als einfache Lösung für einen ausgefallenen Bereich betrachtet werden.
Fehler an einem Gerät oder Kurzschluss
Ein defektes Elektrogerät oder ein Fehler an einer Leitung kann ebenfalls dazu führen, dass ein Schutzgerät auslöst. Der Zeitpunkt kann einen Hinweis geben: Trat der Ausfall direkt beim Einschalten eines bestimmten Geräts auf? War zuvor ein Geräusch zu hören oder ein ungewöhnlicher Geruch wahrzunehmen? Solche Angaben helfen einer Elektrofachkraft, ersetzen aber keine Prüfung. Das betroffene Gerät sollte bei Verdacht nicht erneut betrieben werden.
Ein ausgelöster Schalter ist eine Schutzreaktion. Er ist kein Beleg dafür, dass der Schalter selbst kaputt ist. Ihn wiederholt einzuschalten, ohne den Grund der Auslösung zu kennen, beseitigt den möglichen Fehler nicht.
Fehlerstrom und FI-Schutzschalter
Der FI-Schutzschalter – auch Fehlerstrom-Schutzschalter oder RCD genannt – erfüllt eine andere Aufgabe als der Leitungsschutzschalter. Er reagiert auf einen Fehlerstrom und dient dem Schutz vor gefährlichen elektrischen Schlägen. Je nach Anordnung kann er mehrere Stromkreise auf einmal abschalten. Dann sind unter Umständen Anschlüsse in verschiedenen Zimmern gleichzeitig ohne Strom, während andere Bereiche weiter versorgt werden.
Ein FI kann beispielsweise wegen eines fehlerhaften Geräts oder eines Problems in der Installation auslösen. Aus der Tatsache, dass er ausgelöst hat, lässt sich das verantwortliche Gerät nicht sicher ablesen. Wiederholt sich die Auslösung, gehört die Ursache fachlich abgeklärt.
Störung an einem einzelnen Anschluss oder einer Verbindung
Bleibt nur eine Steckdose ohne Funktion, muss nicht der komplette Stromkreis ausgefallen sein. Eine beschädigte Steckdose, ein fehlerhafter Kontakt oder eine andere Störung an einem einzelnen Punkt kommt ebenfalls infrage. Umgekehrt bedeutet ein Schalter, der äußerlich weiterhin eingeschaltet ist, nicht, dass die betroffene Stelle gefahrlos berührt oder benutzt werden kann.
Besonders ernst zu nehmen sind Verfärbungen, Wärme, Knistern oder Brandgeruch. Arbeiten an Steckdosen, Schaltern und Leitungen sind kein geeignetes Mittel, um die Ursache selbst zu suchen: Auch wenn ein Anschluss nicht funktioniert, können andere Teile der Anlage weiterhin unter Spannung stehen.
Problem außerhalb des vermuteten Stromkreises
Sind mehrere voneinander getrennte Bereiche betroffen oder funktioniert auch bei Nachbarn beziehungsweise im Haus etwas nicht, kann die Ursache an einer vorgelagerten Verteilung oder außerhalb der Wohnung liegen. Die Beobachtung, dass noch einige Lampen oder Steckdosen funktionieren, schließt ein solches Problem nicht sicher aus. Ob die Störung in der Wohnungsinstallation, im Gebäude oder im öffentlichen Netz liegt, muss anhand der konkreten Situation geklärt werden.
Bei einer erkennbaren Netzstörung ist in der Regel der örtliche Netzbetreiber der richtige Ansprechpartner für die Meldung – er ist nicht zwingend mit dem Unternehmen identisch, an das Sie Ihre Stromrechnung zahlen. Beschränkt sich die Störung auf einzelne Anschlüsse Ihrer Wohnung, steht dagegen die fachliche Prüfung dieser Installation im Vordergrund.
Was verrät der Sicherungskasten – und was nicht?
Wer vor einem geschlossenen, gefahrlos zugänglichen Sicherungskasten steht, kann möglicherweise sehen, ob ein Schalter eine andere Stellung als üblich hat. Die Beschriftung kann bei der Beschreibung helfen. Sie sollte aber nicht als endgültiger Beweis für die Zuordnung oder die Ursache angesehen werden.
Leitungsschutzschalter (LS) schützen die ihnen zugeordneten Leitungen bei Überlast und Kurzschluss. FI-Schutzschalter reagieren auf Fehlerströme; ein einzelner FI kann mehreren Stromkreisen vorgeschaltet sein. FI/LS-Schalter vereinen beide Schutzfunktionen in einem Gerät für den zugeordneten Stromkreis. Ein FI ohne integrierten Überstromschutz ersetzt keinen Leitungsschutzschalter. Welche Geräte in Ihrer Wohnung vorhanden sind und welche Anschlüsse sie tatsächlich versorgen, hängt von der Installation ab.
Wichtig ist auch die Grenze einer Sichtprüfung: Nicht jeder Ausfall führt dazu, dass ein Schalter sichtbar auslöst. Und wenn ein Schalter ausgelöst hat, steht damit noch nicht fest, ob die Ursache an einem angeschlossenen Gerät, an einem Anschlusspunkt oder an der festen Installation liegt. Dafür sind eine fachliche Zuordnung und, je nach Fehlerbild, Messungen erforderlich.
Was können Sie selbst gefahrlos feststellen?
Sie brauchen keine Abdeckung zu entfernen und keine Steckdose zu öffnen, um eine nützliche Beschreibung der Störung zu liefern. Gehen Sie nur so weit, wie eine Beobachtung ohne Kontakt zu beschädigten oder nassen Teilen möglich ist:
- Betroffene Funktionen eingrenzen: Fehlt nur das Licht, nur die Versorgung einzelner Steckdosen oder beides? Funktioniert lediglich ein bestimmtes Gerät nicht?
- Bereiche notieren: Welche Räume sind betroffen? Waren in demselben Raum zuvor andere Anschlüsse noch in Funktion? Schalten Sie keine Geräte eigens zum Testen ein und benutzen Sie keine beschädigten Anschlüsse.
- Zeitpunkt und Verlauf festhalten: Wann trat der Ausfall erstmals auf? Geschah dies beim Einschalten eines Geräts, während mehrere Geräte gleichzeitig liefen oder ohne erkennbaren Anlass? Kam die Versorgung zwischenzeitlich zurück?
- Umfeld einordnen: Sind andere Wohnungen, das Treppenhaus oder Nachbargebäude ebenfalls betroffen? Eine Nachfrage bei Nachbarn kann helfen, eine mögliche Störung außerhalb Ihrer Wohnung zu erkennen.
- Verteilung nur von außen ansehen: Ist ein ausgelöster Schalter am geschlossenen, gefahrlos erreichbaren Sicherungskasten sichtbar? Eine Aufnahme aus sicherer Entfernung kann bei der Beschreibung helfen; öffnen Sie keine Abdeckungen.
Diese Angaben helfen, den richtigen Prüfbereich festzulegen. Sie ersetzen keine Messung und keine Reparatur. Wenn Wärme, Rauch, Brandgeruch, Funken, beschädigte Teile oder Nässe im Spiel sind, hat Abstand Vorrang vor jeder weiteren Beobachtung.
Darf man eine ausgelöste Sicherung einfach wieder einschalten?
Ein einmaliges Wiedereinschalten eines dafür vorgesehenen Schutzschalters kommt nur infrage, wenn er äußerlich unbeschädigt und gefahrlos erreichbar ist und keinerlei Anzeichen für Hitze, Rauch, Brandgeruch, Funken oder Feuchtigkeit vorliegen. Ein Wiedereinschalten stellt weder eine Prüfung noch eine Reparatur dar.
Löst derselbe Schalter sofort oder wiederholt aus, versuchen Sie es nicht immer wieder. Schließen Sie auch nicht probeweise weitere Geräte an, um den Fehler zu „finden“. Lassen Sie den betroffenen Bereich und die Ursache fachlich prüfen. Ist die Verteilung beschädigt, feucht oder ungewöhnlich warm, halten Sie Abstand und bedienen Sie sie nicht.
Wann ist der Ausfall besonders dringlich?
Ein Teilausfall kann sich auf einen ausgefallenen Anschluss beschränken. Er kann aber auch zusammen mit deutlichen Warnzeichen auftreten. Benutzen Sie Steckdosen, Schalter oder Geräte nicht weiter, wenn sie heiß werden, verfärbt sind, knistern oder verbrannt riechen. Berühren Sie keine nassen oder sichtbar beschädigten elektrischen Teile. Eine Anlage bleibt nicht schon deshalb sicher, weil in einem Zimmer das Licht ausgegangen ist.
Bei Rauch oder Feuer verlassen Sie den Gefahrenbereich, soweit das sicher möglich ist, warnen Sie andere Personen und rufen Sie die Feuerwehr unter 112. Der Notruf ist für eine akute Gefahr bestimmt; ein gewöhnlicher lokaler Stromausfall ohne solche Anzeichen erfordert eine Störungsmeldung oder fachliche Prüfung, keinen Feuerwehreinsatz.
Auch ohne sichtbaren Schaden sollte eine wiederkehrende Störung nicht liegen bleiben: wiederholt auslösende Schutzgeräte, nur zeitweise funktionierende Anschlüsse oder auffällige Veränderungen beim Einschalten anderer Geräte gehören untersucht. Die konkrete Dringlichkeit richtet sich nach dem Fehlerbild und möglichen Gefahren, nicht allein nach der Zahl der ausgefallenen Zimmer.
Wie findet eine Elektrofachkraft die tatsächliche Ursache?
Am Anfang steht die Frage, welche Anschlüsse wirklich zusammenhängen. Eine Fachkraft berücksichtigt die Beschreibung des Ausfalls, die vorhandene Verteilung, die beteiligten Geräte und gegebenenfalls frühere Störungen. Danach entscheidet sie, welche Teile der Anlage geprüft und welche Messungen benötigt werden. Eine sichtbare Schalterstellung allein ersetzt diesen Schritt nicht.
Das Ergebnis kann unterschiedlich ausfallen: Ein einzelnes Gerät kann die Störung verursachen, ein Anschluss kann beschädigt sein, oder es kann ein größerer Abschnitt der Installation betroffen sein. Erst nach der Prüfung lässt sich beurteilen, welche Reparatur erforderlich ist und ob der Prüfumfang erweitert werden muss. Hinweise dazu, wie eine solche Anfrage bearbeitet wird, finden Sie bei Elektrische Störungen & Reparaturen. Für Fragen zu den Schutzgeräten selbst gibt es die Seite Sicherungskasten & FI-Schutzschalter.
Drei praktische Fragen zum Teilausfall
Kann ich Geräte vorübergehend über ein Verlängerungskabel aus einem anderen Raum versorgen?
Dass in einem anderen Zimmer noch eine Steckdose funktioniert, sagt nichts über die Belastbarkeit einer Verlängerungsleitung oder des dortigen Stromkreises aus. Mehrere leistungsstarke Geräte über eine Steckdosenleiste zu betreiben oder Verlängerungen hintereinanderzustecken, kann zu Überlastung führen. Eine solche Lösung behebt außerdem die Ursache des Ausfalls nicht. Lassen Sie die nötige Versorgung und den Fehler fachlich beurteilen.
Was ist bei Kühlschrank oder Gefriergerät im ausgefallenen Bereich sinnvoll?
Bleibt ein Kühl- oder Gefriergerät ohne Strom, halten Sie seine Tür möglichst geschlossen. So bleibt die Kälte länger erhalten. Klären Sie zugleich die Ursache des Stromausfalls, statt einen möglicherweise beschädigten Anschluss weiter zu benutzen. Wie lange Lebensmittel noch verwendbar sind, lässt sich nicht allein aus der Dauer des Stromausfalls pauschal bestimmen.
Wen informiere ich in einer Mietwohnung?
Notieren Sie die betroffenen Bereiche und informieren Sie Vermieter oder Hausverwaltung über den Ausfall, besonders wenn mehrere Anschlüsse oder Teile der festen Installation betroffen sind. Bei deutlichen Warnzeichen gilt zuerst: Abstand halten und bei Rauch oder Feuer die Feuerwehr rufen. Wenn auch andere Wohnungen betroffen sind, kann zusätzlich eine Meldung an den Netzbetreiber sinnvoll sein.
Fazit
Dass in anderen Räumen noch Strom vorhanden ist, ist bei einer aufgeteilten Elektroinstallation möglich. Es bedeutet nicht automatisch, dass der Fehler harmlos ist oder genau ein bestimmter Stromkreis ausgefallen sein muss. Entscheidend sind die betroffenen Funktionen, sichtbare Warnzeichen und das Verhalten der Schutzgeräte. Beobachten Sie nur, was ohne Eingriff und ohne Berührung auffälliger Teile erkennbar ist. Eine wiederkehrende oder unklare Störung sollte eine Elektrofachkraft prüfen.